Ratgeber · Gin
Ist Gin gesund? Die ehrliche Antwort
Mythen, Fakten und warum Gin trotzdem ins Glas darf
Nein, Gin ist nicht gesund. Er ist ein alkoholisches Getränk, und Alkohol tut dem Körper nicht gut, egal in welcher Form. Warum sich der Mythos vom gesunden Gin trotzdem so hartnäckig hält und wie du Gin mit gutem Gefühl genießt, liest du hier.
Was macht einen Gin zum Gin?
Gin ist kein Fantasiebegriff, sondern in der EU genau geregelt. Drei Dinge müssen stimmen:
- Die Basis ist Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, also zum Beispiel aus Getreide.
- Der Geschmack wird mit Wacholder geprägt. Andere Zutaten dürfen dazu, aber der Wacholder muss herausschmecken.
- Der Alkoholgehalt liegt bei mindestens 37,5 % vol.
Alles andere ist Spielraum. Und genau dieser Spielraum macht Gin so spannend.
Woraus besteht Gin?
Aus vier Zutaten: neutralem Alkohol, Wacholder, weiteren Pflanzenstoffen und Wasser. Die Pflanzenstoffe nennt man Botanicals. Das können Kräuter, Gewürze, Früchte oder Wurzeln sein, von Koriander über Zitrusschalen bis Lavendel. Sie machen jeden Gin einzigartig.
Ohne Wacholder geht es aber nicht. Die kleinen blauschwarzen Wacholderbeeren, botanisch eigentlich Zapfen, bringen das harzige, leicht pfeffrige Aroma, an dem man Gin sofort erkennt. Bei uns im Norden heißt der Wacholder auf Plattdeutsch übrigens Machandel.
Wie wird Gin hergestellt?
Die meisten hochwertigen Gins werden destilliert. Die Botanicals werden in den Alkohol eingelegt oder in einem Korb über ihn gehängt, dann wird das Ganze in der Brennblase erhitzt. Der Alkohol verdampft, nimmt die Aromen mit und wird wieder abgekühlt. Zum Schluss kommt Wasser dazu, bis der Gin Trinkstärke hat.
Welche Verfahren es gibt, was der Brennmeister dabei entscheidet und was auf dem Etikett stehen darf, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber Gin Herstellung: Woraus wird Gin gemacht?
Welche Gin-Sorten gibt es?
Auf dem Etikett stehen oft Begriffe, die mehr über die Herstellung verraten als über den Geschmack. Hier der Überblick:
| Sorte | Was dahintersteckt | Geschmack |
|---|---|---|
| Gin | Grundbegriff. Aromen dürfen auch ohne Destillation zugegeben werden. | sehr unterschiedlich |
| Destillierter Gin | Die Botanicals werden mitdestilliert. Danach darf noch etwas ergänzt werden. | meist klar und aromatisch |
| London Dry Gin | Alle Aromen kommen ausschließlich aus der Destillation, kein Farbstoff, höchstens minimal gesüßt. | trocken, wacholderbetont |
| Dry Gin | Zusatz für Gins mit höchstens 0,1 g Süße pro Liter. | trocken |
| Old Tom Gin | Historischer Stil, leicht gesüßt. | weicher, runder |
| New Western Dry Gin | Kein rechtlicher Begriff. Der Wacholder tritt etwas zurück, andere Botanicals stehen vorn. | modern, oft fruchtig oder floral |
| Navy Strength Gin | Besonders stark, meist um die 57 % vol. | kräftig, intensiv |
| Sloe Gin | Kein Gin, sondern ein Likör aus Schlehen, die in Gin eingelegt werden. | fruchtig, süß |
Und noch ein verbreiteter Irrtum: „London“ ist keine Herkunftsangabe. Ein London Dry Gin kann überall auf der Welt gebrannt werden, auch an der Nordsee.
Ist London Dry Gin besser als Dry Gin?
Nein. Der Begriff sagt, wie ein Gin hergestellt wurde, nicht wie gut er ist. Es gibt hervorragende Gins in jeder Kategorie.
Woher kommt Gin?
Die Geschichte des Gins beginnt in den Niederlanden. Dort wurde schon im 16. Jahrhundert Wacholderschnaps gebrannt, der Genever. Er galt damals als Arznei und wurde in Apotheken verkauft.
Als der Niederländer Wilhelm III. von Oranien 1689 König von England wurde, kam der Wacholderschnaps mit über die Nordsee. In London wurde er schnell zum Volksgetränk, und zwar so sehr, dass das 18. Jahrhundert als „Gin Craze“ in die Geschichte einging. Billiger Fusel war überall zu haben, bis das Parlament mit strengen Gesetzen gegensteuerte.
Erst im 19. Jahrhundert entstand der Gin, wie wir ihn heute kennen. Neue Brennanlagen machten klareren, trockeneren Alkohol möglich. Daraus wurde der London Dry Gin. Ungefähr zur selben Zeit begannen britische Kolonialbeamte in Indien, ihr bitteres Chinin-Tonic mit Gin zu mischen. Der Gin Tonic war geboren.
Wacholder steckt nicht nur im Gin
Wacholderschnäpse haben in Nordeuropa eine lange Tradition. Die bekanntesten Verwandten des Gins:
- Genever: der niederländische Vorfahre, oft malziger und vollmundiger als Gin
- Steinhäger: ein Wacholderschnaps aus dem westfälischen Steinhagen, die Herkunft ist geschützt
- Machandel: der klassische norddeutsche Wacholderschnaps, benannt nach dem plattdeutschen Wort für Wacholder
Welche Schnäpse sonst noch an der Küste getrunken werden, liest du in Typische Nordsee-Schnäpse.
Wie trinkt man Gin?
Ein guter Gin schmeckt pur, am besten leicht gekühlt in einem kleinen Glas. So kommen die Botanicals am klarsten durch.
Die meisten trinken ihn aber im Gin Tonic. Wie du den perfekt mixt, erklären wir in unserem Ratgeber Gin Tonic richtig mixen. Und wer Lust auf mehr hat: In unseren Gin-Rezepten findest du Klassiker wie den Negroni oder den Gin Basil Smash.
Wie lange ist Gin haltbar?
Ungeöffnet praktisch unbegrenzt. Durch den hohen Alkoholgehalt kann Gin nicht verderben.
Nach dem Öffnen hält er ebenfalls sehr lange. Mit der Zeit verfliegen aber die feinen Aromen. Deshalb gilt:
- gut verschließen
- aufrecht lagern, damit der Korken nicht leidet
- kühl und dunkel aufbewahren, nicht auf der Fensterbank
Ins Gefrierfach muss Gin übrigens nicht. Zu kalt schmeckst du von den Botanicals nur noch wenig.
Gibt es Gin ohne Alkohol?
Streng genommen nicht. Weil Gin per Gesetz mindestens 37,5 % vol haben muss, darf ein alkoholfreies Getränk nicht „Gin“ heißen. Die Produkte im Handel laufen deshalb unter Namen wie „alkoholfreie Gin-Alternative“. Sie bilden die Aromen nach, schmecken aber anders, weil der Alkohol als Geschmacksträger fehlt.
Unser Nordsee-Gin: WATT’N GIN
Wenn du wissen willst, wie die Nordsee als Gin schmeckt: WATT’N GIN ist ein Dry Gin mit Wacholder, fruchtiger Orange, Lavendel und zwei Zutaten direkt von der Küste, Hagebutte und Queller. Gebrannt und abgefüllt wird er in Nordfriesland, etikettiert von den Mürwikern in Flensburg.
Und weil uns die Küste am Herzen liegt, spenden wir für jede verkaufte 0,5-l-Flasche 1 € an die Schutzstation Wattenmeer.
Häufige Fragen
Was ist Gin?
Gin ist eine klare Spirituose aus neutralem Agraralkohol, die mit Wacholder und weiteren Botanicals aromatisiert wird. Sie hat mindestens 37,5 % vol.
Wie viel Alkohol hat Gin?
Mindestens 37,5 % vol, so schreibt es die EU vor. Die meisten Gins liegen zwischen 40 und 47 % vol, Navy Strength Gins bei etwa 57 % vol.
Was heißt Gin auf Deutsch?
Gin bedeutet sinngemäß Wacholderschnaps. Der Name geht auf das niederländische Wort Genever zurück, das wiederum vom französischen Wort für Wacholder abstammt.
Was ist der Unterschied zwischen Gin und Wodka?
Wodka soll möglichst neutral schmecken. Gin ist im Grunde aromatisierter Alkohol, dessen Geschmack vor allem vom Wacholder geprägt wird.
Warum heißt es London Dry Gin?
Der Name beschreibt die Herstellung: Alle Aromen kommen aus der Destillation, und der Gin darf höchstens minimal gesüßt sein. Mit der Stadt London hat das heute nichts mehr zu tun.
Wie lange hält sich eine geöffnete Flasche Gin?
Sehr lange. Gin verdirbt nicht, nur die feinen Aromen lassen mit der Zeit nach. Gut verschlossen, kühl und dunkel gelagert, schmeckt er auch nach Monaten noch gut.